La Cité Radieuse / Le Corbusier in Marseille

la_cite_radieuse_-2

Ich dachte noch „Ganz in der Nähe dieses HLM müsste es doch eigentlich liegen…“, als mir bewusst wurde: DAS IST ES !?! Au weiha – ich suchte Bauhaus und fand die Tristesse von Gursky’s Montparnasse?

Um das Happy End vorwegzunehmen: Ich liebte es – nachdem ich die Führung mitgemacht hatte und erfuhr mit welchem Anspruch und mit welch wundervollen Details Le Corbusier seine „strahlende Stadt“ gebaut hat. Es entstand ein außergewöhnliches Gebäude, das in vielerlei Hinsicht an ein Kreuzfahrtschiff erinnert.

Überblick

  • Als Projekt des sozialen Wohnungsbaus von 1947 bis 1952 gebaut (im Auftrag des Ministeriums für Wiederaufbau);
  • Eine große Anzahl Bewohner sollte untergebracht werden, der Charakter eines Dorfes sollte erzielt werden, welches aus Platzmangel in die Vertikale gebaut wurde – mit Straßen, Geschäften, Kindergarten, Schwimmbad, Turnhalle, ÖPNV in Form von Aufzügen
  • Seit 1995 Monument historique
  • Seit 17.07.2016 UN-Weltkulturerbe
  • 337 Maisonette-Wohnungen für 1.000 Bewohner
  • Standardwohnungen von Typ A (16 m2) bis Typ H (203 m2)
  • Zu avantgardistisch für die gedachte Klientel, diese war bei den Wohnungsbesichtigungen klar überfordert und hatte kein Interesse, derartige Wohnungen zu beziehen
  • 1954 traf der französische Staat dann die Entscheidung, die Wohnungen zu verkaufen, es entstand eine Wohn-Kooperative

Die Idee

  • Individuell (wie im eigenen Haus) wohnen, aber in der Gemeinschaft, d.h. es gibt Rückzugsorte, aber auch Gemeinschaftsflächen (eine heute wieder aufgegriffene Idee)
  • Aus diesem Grund sind im Hause verschiedene Orte als explizite Treffpunkte vorgesehen, die durchweg hell gestaltet sind:
    • Die Eingangshalle: Hier gab es Toiletten, bis vor kurzem noch eine Telefonkabine, einen Zeitungskiosk, den einstmals offenen Empfangstresen, Bänke zum Verweilen
    • Die Maternelle (Kindergarten), der Pausenhof des Kindergartens befindet sich auf dem Dach.
    • Kinosaal, Bibliothek
    • Die Dachterrasse
    • Die Ladenzeile

Die Wohneinheiten

la_cite_radieuse_-5

Die Wohnungen sind ineinander verschachtelt gebaut – es gibt die „Supérieur“-Wohnungen, bei denen man von der Eintrittsebene nach oben in die 2. Etage gelangt, sowie die „Inférieur“-Wohnungen, bei denen man eine Etage hinabsteigen muss. Die nicht in der Zugangsebene gelegene Wohnungsebene durchmisst das komplette Gebäude.

Im Zugangsbereich nimmt die Wohnung daher nur knapp die halbe Stockwerksbreite ein, in der zweiten Ebene dann jedoch die gesamte Breite.

Querschnitt

Traversale: Die Wohnungen erhalten jeweils aus 2 Richtungen Licht, da sie einmal das Gebäude durchkreuzen – in einem Geschoss die ganze Stockwerksbreite einnehmend, im anderen knapp die Hälfte, mit Anschluss an den Erschließungsgang. Ein solcher war nur in jedem dritten Stockwerk nötig.

Versorgungsgänge

In ein Skelett aus Stahlbeton wurden die Wohneinheiten wie Sperrholz-Kisten in ein Weinregal geschoben. In die Hohlräume zwischen den Wohneinheiten wurde Glaswolle eingebracht – diese Einzelaufhängung hat eine schallisolierende Wirkung: Man versicherte uns, dass man praktisch nichts vom Nachbarn mitbekommt.

Bei der zu besichtigenden Wohneinheit handelt es sich um eine „Supérieur“-Wohnung des Typs E S2 mit 98 m².

Die Ladenzeile

Um seinem Anspruch als vertikales Dorf gerecht zu werden, plante Le Corbusier in der 3./4. Etage eine Ladenzeile ein. In dieser befanden sich bis 1970 eine Bäckerei, Fleischerei, Fischhändler, Obst-/Gemüsehändler, Epicerie, Traiteur, Friseur, Wäscherei…. also praktisch alles, was man zum täglichen Leben benötigte. Heute gibt es zwar noch eine kleine Konditorei, ansonsten haben sich in den Ladenlokalen jedoch freie Berufe (Architekten, Designer, Experten) angesiedelt.

Ein Hotel gehörte auch zur Kooperative, die Bewohner sollten es selbst nutzen z.B. für Gäste; es wurde jedoch nicht ausreichend genutzt, war letztlich zu teuer für die Bewohner und wird nun privatwirtschaftlich betrieben.

Die Dachterrasse

La Cité Radieuse ist ein begehrtes Wohnobjekt mit einer gut durchmischten Altersstruktur der Mieter: Es gibt alleinstehende Ältere, aber auch junge Familien mit Kindern. Ein großer Teil der Mieter nimmt an gemeinsamen Veranstaltungen – z.B. Theateraufführungen auf der Dachterrasse – teil.

Vitra – revisited

Vitra_Showroom-1

Zuletzt waren wir im Jahr 2007 auf dem Vitra Campus in Weil am Rhein (siehe Blog-Post vom April 2013) und hatten die Bauarbeiten am neuen Showroom verfolgt (Architekten: Herzog & de Meuron). Bei unserem Besuch im März 2016 wollten wir den spektakulären Baukörper einmal von „innen erfahren“.

Auf 4 Etagen geht es munter treppauf und treppab und immer wieder erwarten den Besucher neue Drauf-, Durch- und Ausblicke. Ein Möbelhaus der Extraklasse – ob diese Bauform allerdings für die Ewigkeit gedacht ist, wird sich noch erweisen müssen: An den Schnittstellen der Baukörper sammelt sich auf jeden Fall Feuchtigkeit.

Düsseldorf down under – die neue Wehrhahn-Linie

Düsseldorf down under-8_skaliert

Als Ruhrpottler wird man schon neidisch, wenn man rüber nach Düsseldorf schielt und sieht, was dort mit Steuergeldern „Untertage“ alles möglich gemacht wird. Nicht nur schnöden ÖPNV wollte die Stadt ihren Bürgern mit der neuen Wehrhahn-Linie bieten – sondern Kunst im Bau. Das künstlerische Konzept wurde von Anfang an in die Planungen einbezogen und – soviel Eigenwerbung muss sein – jede der sechs Stationen wurde von einem Absolventen der Düsseldorfer Kunstakademie gestaltet.

Das verbindende Element entlang der gesamten Linie ist eine helle rautenförmige Wandgestaltung, bei der die Rauten aus Betonfertigteilen an verschiedenen Stellen dynamisch gestaucht wurden. Als Vorlage dienten zeitgenössische Sicherheits- und Verschlüsselungsmuster (z.B. für Geldscheine).

U-Bahnhof Kirchplatz mit „Spur X“ von Enne Haehnle: Leuchtend orange Stahlstränge formieren Textfragmente. Die Leipziger Künstlerin will mit ihrer Arbeit die Wahrnehmung der Benutzer schärfen und Kommunikation fördern. Wenn man sich etwas Zeit lässt, kann man den Text entziffern.

U-Bahnhof Graf-Adolf-Platz mit „Achat“ von Manuel Franke: Die Grundidee hier ist, den Bahnhof als Farbraum zu gestalten. Linienströme wie die eines Achatsteines begleiten den Benutzer vom Straßenniveau bis zu den Gleisen. Erzeugt wurden die Linien durch speziell aufgebrachtes Lösungsmittel. Die hierdurch erzeugten Aussparungen geben den Blick auf die dahinterliegenden dunkel-lila gestalteten Rohbauwände frei.

U-Bahnhof Benrather Straße mit „Himmel oben, Himmel unten“ von Thomas Stricker, der den Himmel unter die Erde holt. Die generelle Anmutung ist die eines Raumschiffs – steril, technoid. Die Wände sind mit Edelstahlplatten verkleidet, in die eine Matrix eingeprägt wurde, die der Braille-Schrift ähnelt. Eine Ebene höher dominieren dann Panorama-Bildschirme mit 3D-animierten Weltall-Videos der NASA und der ESA das Geschehen. Ein bisschen warten lohnt, dann segelt auch mal der Mond oder die Erde vorbei!

U-Bahnhof Heinrich-Heine-Allee mit „Drei Modellräume“ von Ralf Brög: Hierbei handelt es sich um einen bestehenden U-Bahnhof, an dem sich nun verschiedene U-Bahnlinien kreuzen und der entsprechend ausgebaut wurde. Das Konzept hat sich uns nicht recht erschlossen, vielleicht weil wir nicht lange genug gesucht haben? Daher: Sorry – keine Bilder!

U-Bahnhof Schadowstraße mit „Turnstile“ von Ursula Damm: Diese Station kam auf den ersten Blick dekorativ harmlos daher; als Farbe dominiert königsblau. Direkt über dem Tunnel ist eine große LED-Wand angebracht, auf der sich verschiedene Formen entwickeln und bewegen. Hübsch aber langweilig? Dachten wir, bis wir verstanden, dass die Bewegungen auf der LED-Wand Bewegungen von Fußgängern auf der Straßenebene aufgreifen, die über Sensoren und eine Kamera erfasst werden. So gelangt die Energie von oben in Echtzeit nach unten. Auch die runden Elemente der Wandgestaltung spiegeln das Oben wider: Bei genauem Hinschauen entpuppen sie sich als Luftaufnahmen von Düsseldorf.

U-Bahnhof Pempelforter Straße mit „Surround“ von Heike Klussmann: Die Berliner Künstlerin umwickelt die Räume mit einem Band und durchkreuzt dabei die von der Architektur vorgegebenen Linien; der Raum scheint den Fahrgast zu umfangen, die tatsächlich vorhandene Raumstruktur beginnt sich aufzulösen.

Bikini??? Berlin!!!

Bikini_Berlin-15
Auslöser für diesen Beitrag war ein Foto von einem Freund vor der Gedächtniskirche in Berlin. Auf meine Frage „Und wie fandest Du das Bikini?“ fragte er zurück „Was für’n Bikini?“

Ich war fassungslos: Wie kann man sich die Gedächtniskirche anschauen und das Bikini links liegen lassen? Tja: Aus Ignoranz! Also muss dem armen Kerl geholfen werden.

Als Teil eines denkmalgeschützten Gebäudeensembles aus den 1950er Jahren wurde das Bikini Berlin von 2010 – 2014 aufwändig saniert und im April 2014 wiedereröffnet. In seiner ursprünglichen Nutzungsform beherbergte es Geschäfte, Büros und sogar Produktionsstätten. Seit der Wiedereröffnung findet man dort neben der Gastronomie edle Concept- und Flagship-Stores sowie Büros und ein Hotel – das 25hours.

Wieso eigentlich „Bikini“: Früher nannte der Volksmund das Gebäude „Bikinihaus“ aufgrund eines Luftgeschosses in der 2. Etage, welches das Gebäude optisch in zwei Teile gliederte.

Im unteren Bereich des länglichen Riegels befindet sich nun die Concept Mall, deren Highlight ein riesiges Panaromafenster zum Zoologischen Garten hin darstellt. Vor dem Fenster laden Kissen zum Verweilen ein, zu sehen gibt es den Affenfelsen.

Wen der Anblick kopulierender Affen zum Capuccino stört, der kann auch rüber in den Hochhausturm wechseln, in dem das Hotel 25hours untergebracht ist. Dort wähle man in der obersten Etage zwischen der „Monkey Bar“ und dem Restaurant NENI (Vorsicht: Abends reservieren!). Man fährt direkt aus dem Eingangsbereich mit dem Aufzug nach ganz oben und kann von dort einen spektakulären Ausblick über den Tiergarten bis zum Reichstag genießen.

Auch die Hotel-Lounge in der 3. Etage ist einen Besuch wert. Hinein gelangt man außen über die Dachterrasse des Bikini. Es empfiehlt sich ein unauffälliger Rundgang – in der Lounge halten Hipster-Unternehmen gerne ihre Besprechungen ab.

Also: Für Freunde des guten Designs ein heißer Berlin-Tipp!

Hamburg – Hafencity

Schon lange stand es auf der Wunschliste: Hamburg Hafencity! In diesem Sinne einen lieben Gruß nach Eimsbüttel für die hervorragende Herberge!

Was den Hamburgern mit der Freigabe des Freihafengeländes an Fläche zur Verfügung gestellt wurde (155 Hektar, davon ein Drittel Wasser) haben sie für die Erweiterung der Hamburger Innenstadt mit feinster Architektur vollgepackt. Freiflächen zwischen den Gebäuden bieten dennoch schöne Durckblicke auf die angrenzende denkmalgeschützte Speicherstadt.

Der fotografische Rundgang startet im Osten der Hafencity und endet im Westen an den Landungsbrücken. Meine Empfehlung: Mit der U-Bahnlinie 4 bis Haltestelle „HafenCity Universität“ fahren und dann die Hafencity von Ost nach West aufrollen. Spektakuläre moderne Architektur wird immer wieder durch erhalten gebliebene ehemalige Hafengebäude kontrastiert: Ehrwürdige Relikte des alten Freihafens wie der Kaispeicher B, der das Internationale Maritime Museum beherbergt oder das Kesselhaus, in dem ein Modell der Hafencity begutachtet werden kann.

… und moderne Architektur hin oder her: Hafen-Feeling gibt’s immer noch reichlich!

Das Bauhaus in Dessau

Wem der Weg nach Sachsen-Anhalt zu weit erscheinen mag, dem sei wärmstens empfohlen: 3 UNESCO-Welterbestätten in unmittelbarer Nachbarschaft! Neben dem Bauhaus in Dessau sind Wittenberg und das Wörlitzer Gartenreich nur einen Steinwurf entfernt – mehr Kulturverdichtung geht nicht! http://www.luther-bauhaus-gartenreich.de Bauhaus Dessau

Zeitlicher Überblick:
1919 – 1925 Weimar
1925 – 1932 Dessau
1932 – 1933 Berlin

Was in den nur 6 Jahren Bauhaus in Dessau entstand ist außergewöhnlich. Neben dem Bauhausgebäude selbst entstanden die sogenannten Meisterhäuser – eine Einzelvilla für den Direktor und drei Doppelhaus-Villen für die „Profs“ des Bauhauses, die Meister. Lyonel Feiniger, Oskar Schlemmer, Wassily Kandinsky, Paul Klee – schon mal gehört? Waren alle Meister am Bauhaus! Bilder zur den Meisterhäusern gibt es im zweiten Abschnitt. Außerdem erbaute Walter Gropius im Rahmen eines Projektes für preiswerten Wohnraum von 1926 bis 1928 die Siedlung Törten –  Bauhaus für jedermann sozusagen. Näheres am Ende dieses Beitrags.

Das Bauhausgebäude

Das Gebäude wurde von Walter Gropius, dem Gründer und langjährigen Direktor des Bauhauses, entworfen und 1926 eingeweiht. Legendär der Glasvorhang des Werkstattflügels, welcher dem Komplex seine Leichtigkeit verleiht. Im wunderschönen Auditorium, der Bauhaus-Aula, finden regelmäßig Konzerte statt und in der Mensa nimmt man stilecht auf Marcel-Breuer-Hockern Platz. Ins Auge fällt zudem das Ateliergebäude mit seinen prägnanten Mini-Balkonen – ein Luxus-Studentenwohnheim, in welches man sich als Bauhaus-Tourist heutzutage sogar einquartieren kann. Und man beachte die Konsequenz, mit der der Bauhäusler selbst die Fallrohre nach innen verlegte, damit kein Firlefanz den äußeren Eindruck beeinträchtigt.

Die Meisterhäuser

Von oben draufgeschaut: Meisterhäuser Luftsicht

Kriegszerstörungen und bauliche Veränderungen während der Zeit der DDR führten dazu, dass die Künstlerkolonie nur noch ein Schatten ihrer selbst war. So wurde auf das Fundament der Direktorenvilla (siehe „Gropius“) ein unsägliches Satteldachhaus gesetzt; in den Doppelhäusern wurden die großflächigen Fensterfronten zugemauert, um Standardfenstern platz zu machen. Glücklicherweise wurde das Ensemble ab 1993 einer denkmalgerechten Sanierung zugeführt und in 2014 eröffnete man die im Krieg zerstörten Meisterhäuser wieder. Die Berliner Architekten Bruno Fioretti Marquez stellten den Neubau der zerstörten Meisterhäuser unter das Motto der „gebauten Unschärfe“. Es ging ihnen bewusst nicht um eine originalgetreue Rekonstruktion. Allein die äußere Form der Baukörper sowie die Position der aus Kunstharz gegossenen Fenster blieben erhalten.

Die Direktorenvilla – einst und jetzt:

Die Meisterhäuser:

Die im Krieg zerstörte Haushälfte Maholy-Nagy wurde wie die Direktorenvilla durch einen Neubau ersetzt, so dass in diesem Fall alt und neu Wand an Wand steht. Bei der Inneneinrichtung der Meisterhäuser fällt besonders die funktionale Ausgestaltung des Küchen- und Essbereiches auf: Die Lebensmittel lagerten in einem Kellerbereich, welcher über ein Durchreichefenster mit der Küche verbunden war. Von der Küche aus wiederum gab es einen Durchbruch zum Anrichtezimmer, welches an der gegenüberliegenden Seite mit dem Esszimmer verbunden war. Wichtigster Raum für die Meister waren sicherlich die großzügigen und lichtdurchfluteten Ateliers, mit denen jedes Haus ausgestattet wurde.

Die Siedlung Törten

Die Siedlung Törten wurde von 1926 bis 1928 von Walter Gropius gebaut – eine Reihenhaussiedlung mit 314 Häusern, die zum Verkauf standen und die zur Selbstversorgung der Bewohner mit sehr schmalen aber sehr langen Gärten ausgestattet wurden. Da Häuslebesitzer dazu neigen, ihre Scholle zu „individualisieren“, ist bei vielen dieser Häuschen der Bauhauscharakter leider nicht mehr zu erkennen. Um die schlimmsten Entstellungen zu verhindern, hat die Stadt Dessau inzwischen Auflagen gemacht, aber es stockte uns trotzdem immer wieder der Atem…

Um so schöner, dass es das „Haus Anton“ gibt! Die letzte Bewohnerin war dort 1926 mit ihren Eltern eingezogen, hatte das Haus weitgehend im Originalzustand belassen und dieses dann für die Zeit nach ihrem Tod der Stadt Dessau überlassen. So kann man dort wunderbarerweise noch das original steinerne Sitzbad in der Küche sowie das Metroclo im Stall besichtigen. Ein weiteres Haus wurde von einem Bauhaus-Liebhaber in Eigenarbeit in den Originalzustand versetzt – davon wünschen wir uns noch mehr!

Bauhaus – Original:

Bauhaus – individualisiert:

 

Lübeck – Bricks ’n Roses

Alles Mögliche hatte ich erwartet – nur das nicht: Rosen! Rosen, überall Rosen, scheinbar aus dem Kopfsteinpflaster herauswachsend, an Regenrinnen emporrankend und sich schließlich mit ausladender Blütenpracht vor den Häuserfassaden ausbreitend.

Die alljährliche Ruderwanderfahrt hatte uns diesmal an die Stadt an der Trave verschlagen. Ich stehe ungläubig vor diesem rosamunde-pilcheresken Gesamtkunstwerk – wieso hatte ich noch nie davon gehört? Lübeck und Holstentor, na klar. Lübeck und die Buddenbrooks, sowieso. Aber Lübeck und Rosen? Ich vermute dahinter ein angestrengtes Stadt-Marketing-Konzept. Aber nein: „Fette Erde“ ist die denkbar knappe Antwort eines befragten Einheimischen.

Außerdem bleibt mir die große Anzahl an Kirchen in Erinnerung – die „Stadt der 7 Türme“ wird Lübeck genannt, was sich auch gerne als Gericht auf den Speisekarten der Lübecker Gastronomie wieder findet. Und: Die Lübecker Altstadt ist das größte deutsche Flächendenkmal des UNESCO-Welterbes (Reisen bildet!). Mir hat diese mit ca. 210.000 Einwohnern überraschend große Stadt richtig gut gefallen. Also: Auf nach Lübeck! Vielleicht im Juni – der Rosen wegen.

MAS Antwerpen

Auf einem Kurztrip nach Antwerpen fiel uns dieses spektakuläre Gebäude auf: Das „Museum aan de Stroom“ (Museum am Fluss) im nördlich des Stadtzentrums gelegenen ehemaligen Hafenviertel. Es dient als Ankerpunkt für die Neugestaltung des lange vernachlässigten historischen Hafenviertels (Bilbao lässt grüßen). Thematisch widmet sich das Museum folgerichtig der Stadt, dem Hafen sowie der Schifffahrt.
MAS Museum aan de Stroom, Antwerpen
Das von holländischen Architekten (Neutelings Riedijk Architects, Rotterdam) entworfene Museum kommt zwar sehr modern daher, greift jedoch viele Zitate der jüngeren und älteren Antwerpener Geschichte auf. Der rote indische Sandstein soll einen Bezug zu den Lagerhäusern des Hafens oder auch gestapelten Containern bilden. Jede Ebene wurde um 90 Grad gedreht, so dass eine Spirale entsteht.
MAS Museum aan de Stroom, Antwerpen

Der Vorplatz wurde vom berühmtesten Gegenwartskünstler der Stadt Luc Tuymans gestaltet. Dieser hat sein Gemälde „Dead Skull“ als Vorlage für das 1.600 m² große Mosaik gewählt.

Noch ein Wort zur Neugestaltung des Hafenviertes: Der Bilbao-Effekt scheint zu funktionieren, Baukräne allenthalben…
Bleibt uns nur zu hoffen, dass die ältere Dame, die von ihren Geranien aus die Vögel fütterte, nicht der Gentrifizierung zum Opfer fällt!

Vitra Design Museum

Vitra-Design-Museum-5

Wir waren bereits vor fünf Jahren dort, aber es hat mich derart begeistert, dass ich nur jedem, der sich für Architektur interessiert, empfehlen kann, einmal einen Abstecher dorthin zu machen.

Die Firma Vitra – ein bekannter Möbelhersteller insbesondere von Design-Klassikern – hat sich in Weil am Rhein Fertigungs-, Lager- und Konferenzräume von weltberühmten Architekten bauen lassen. Was mich sehr beeindruckte: Diese Architekten waren bei Beauftragung oft noch gar nicht berühmt – Zaha Hamid sagte man damals zum Beispiel nach, ihre Entwürfe seien gar nicht realisierbar.

Das eigentliche Vitra Design Museum, in dem oft Ausstellungen stattfinden, wurde von Frank O. Gehry entworfen:

Vitra-Design-Museum-1

Wenn man sich für eine Architektur-Führung anmeldet, kann man sich alle übrigen Gebäude – die ja für die Fertigung, Lagerung und Verwaltung tatsächlich genutzt werden – anschauen.

Als da wären:

Die Tankstelle von Jean Prouvé: War tatsächlich einmal eine Tankstelle in Frankreich, wurde 2003 auf dem Vitra Campus wiederaufgebaut.

Vitra-Design-Museum-3

Der „Dome“ von Richard Buckminster Fuller: Eine geodätische Kuppel von 1975, im Jahr 2000 dem Campus hinzugefügt; wird für Veranstaltungen genutzt:

Vitra-2

Die Produktionshalle von Alvaro Siza: Die Brückendachkonstruktion senkt sich bei Regen automatisch ab. Sie soll den Blick auf das dahinterliegende Feuerwehrhaus von Zaha Hadid nicht beeinträchtigen:

Vitra-Design-Museum-4

Das Feuerwehrhaus von Zaha Hadid: Nach einem Großbrand im Jahr 1981 richtete Vitra eine Werksfeuerwehr ein. Es war der erste Auftrag für Zaha Hadid überhaupt – bis zu diesem Zeitpunkt traute sich niemand die dekonstruktivistischen Entwürfe der Irakerin tatsächlich bauen zu lassen. Das Gebäude wurde jedoch nie seiner eigentlichen Nutzung zugeführt, weil kurz nach Fertigstellung eine städtische Feuerwehr eingerichtet wurde.

Vitra-Design-Museum-6

Vitra-Design-Museum-9

Das Konferenzgebäude von Tadao Ando: Idyllisch in eine Kirschbaum-Landschaft eingebettet, handelt es sich um das erste Gebäude von Tadao Ando außerhalb Japans:

Vitra-11

Der Showroom von Herzog & de Meuron – seinerzeit noch in der Bauphase:

Vitra-10

Inzwischen gibt es noch eine SANAA-Produktionshalle auf dem Campus – es lohnt sich auf jeden Fall – nur erkundigt Euch vorher nach den Architektur-Führungen!

Städel Gartenhallen

Im Februar 2012 waren wir kurz nach der Eröffnung der neuen Gartenhallen im Frankfurter Städel Museum. Der Hammer: Es wurde der komplette Garten ausgekoffert und dann mit einer sich nach oben wölbenden Dachkonstruktion verkleidet, in die unzählige kreisrunde Fenster eingelassen wurden. Von innen wurde der Übergang vom alten in den neuen Teil über zwei parall geführte schmale, tunnelartige Treppen realisiert, deren Wandoberflächen so verheißungsvoll schimmerten, dass ich kaum die Finger davon lassen konnte. Daran schließt sich eine spektakuläre Freitreppe an, über die man dann die neue Halle betritt. Ich sag‘ mal: Man geht ja eigentlich in den „Keller“, hat aber das Gefühl in den Himmel zu steigen: Es erwartete uns eine lichtdurchflutete riesige Halle und es fiel mir schwer, mich noch auf die Kunstwerke zu konzentrieren…
Staedel_weiss Staedel_lila